(5) Kountz,Jochen (2321) - Schmitz,Thorsten (2196) [B89]
2. Bundesliga Sued Bruchsal, 13.03.2005
[Kountz,Jochen]

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 Das kam eine Spur überraschend - mein Gegner hatte in den Partien zuvor des öfteren die Drachenvariante geübt. 6.Lc4 e6 7.Le3 a6 8.De2 Dc7 9.0-0-0 Dieses Angriffssystem, vom sowjetischen Meister Sosin bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ausgearbeitet, zählt zu den schärfsten Abspielen der sizilianischen Verteidigung. Hier zählt jeder Zug, jedes Tempo: Nach wechselseitigen Rochaden gehen beide Parteien in der Regel rasch zum Angriff auf den gegnerischen König über. 9...Le7 10.Thg1 Das bereitet den weißen Bauernsturm am Königsflügel mit g4-g5 vor. 10...0-0 11.Lb3 Sd7 Schwarz gruppiert seinen Springer prophylaktisch auf das Traumfeld c5 um, von wo er wichtige Angriffs- und Deckungsaufgaben übernimmt. 12.g4 Sc5 13.g5 Ld7 Von diesem Feld aus überdeckt der Läufer die wichtigen Punkte e6 und c6, die in diesem Abspiel tendenziell schutzbedürftig sind. [13...b5 ist die Hauptalternative.] 14.Tg3 Dieser Zug kostete einige Bedenkzeit: Schwarz muß nun immer mit dem Standardangriff Dh5 und Th3 rechnen und seine Verteidigung entsprechend darauf einrichten. Andererseits kostet das weiße Manöver Zeit und erlaubt dem Schwarzen, die eigenen Figuren am Damenflügel aktiv zu positionieren, um zu gegebenem Zeitpunkt seinerseits zum Angriff zu blasen. [14.Kb1 b5 (14...Sxb3 15.cxb3 b5 16.Dh5! (16.h4? b4 17.Sa4 Db7 18.h5 Sxd4 19.Txd4 Lc6 20.f3 d5! 21.e5 Tac8=/+ Zeshkovsky-Shamkovich, UdSSR 1972; Schachinformator 14/406) 16...b4 17.Sce2~~ Shamkovich; 14...Tfe8?! Dieses Manöver gilt als ungenau, weil es das Feld f7 zu sehr schwächt, das Feld e8 für Deckungszüge wie Le8 blockiert und im Gegenzug nicht genug für den eigenen Angriff bringt. 15.f4 b5 16.f5 Sxb3 17.axb3 Se5 (17...Sxd4 18.Lxd4 b4 (18...exf5? 19.Sd5 Dd8 20.Dh5 g6 21.Dh6 Lf8 22.Dh3 fxe4 23.Dxd7+- (23.Dh4+/- ) ) 19.g6 fxg6 20.fxg6 h6 21.Sa4+/= ; 17...b4? 18.g6! fxg6 19.fxg6 h6[] (19...bxc3? 20.Dh5 h6 21.Lxh6 Lf6 22.Lxg7 Lxg7 23.Tdf1 Lh6 24.Dxh6 Te7 25.g7 Txg7 26.Txg7# ; 19...hxg6? 20.Txg6 Lf8 21.Tdg1 Se5 22.Th6 Sf7 23.Th3 Da5 24.Sf5 exf5 25.Dh5+- Brunner-Hübner, Deutschland 1989; Schachinformator 48/354) 20.Dh5 Lf6 21.Lxh6 gxh6! 22.Dxh6 Te7 (22...Lc8? 23.Sf5 bxc3 24.g7 exf5 25.Dh8+ Kf7 26.g8D+ Txg8 27.Dxg8+ Ke7 28.Dh7++- ) 23.Sf5 Le8 24.Sxe7+ Dxe7 25.Se2+/- ) 18.Sf3 g6! 19.Sxe5 dxe5 20.f6 Lf8 21.h4 b4 22.Sa4 Lc6 23.Lc1 Db7 24.Tde1 Tad8 25.h5 Td4 26.hxg6 fxg6 27.Tg4 Lxa4 28.bxa4 b3+/= Brunner) 15.Tg3 (15.Dh5 Tfc8 mit zahlreichen Übergängen zu Varianten mit Dh5 im vierzehnten Zug.) 15...g6 (15...Tfc8! Akopian) 16.h4 Sxb3 17.cxb3 b4 18.Sa4 Sxd4 19.Lxd4 e5 20.Le3 Db7 21.Sb6 Dxe4+ 22.Ka1 Le6 Ashley-Solomons, New York 1994 23.Sxa8~~ ; 14.Dh5 Tfc8 15.Tg3 g6 16.Dh6 Lf8 17.Dh4 Sxd4 18.Lxd4 Sxb3+ 19.axb3 e5 zeigt beispielhaft, wie Weiß am Königsflügel forcieren und Schwarz parieren kann. Die Stellung ist unklar.] 14...Tfc8 Eine logische Fortsetzung. Alternativ kann Schwarz aber beispielsweise auch sofort am Damenflügel loslegen. [14...b5 15.Dh5 b4 16.Sce2 Sxb3+ 17.axb3 Sxd4 18.Sxd4 Tfc8 19.Th3 h6 20.Tg1! Le8 21.gxh6 g6 22.h7+ Kh8 23.Dh6 Ld7 24.Txg6!+- Belushkin-Zuhovicky, UdSSR 1972; Schachinformator 13/412; 14...Tfd8 15.Dh5 g6 16.Dh4 (16.Dh6!? Davis) 16...b5?! (16...h5!?~~ ) 17.Sf5! Sxb3+ 18.axb3 exf5 19.Sd5 Da5 20.Sxe7+ Sxe7 21.Ld4!+/- mit starkem Angriff in der Partie Davis-Wastell, Australien 1973; Schachinformator 17/423] 15.f4!? Dieser Zug ist ein interessanter Vorschlag von Großmeister Akopian. Nachdem ein verteidigender Turm vom Königsflügel abgezogen wurde, um das wichtige Feld f8 für den Läufer zu räumen, setzt nun der weiße Bauernsturm mit geringfügiger Verzögerung ein! [15.Kb1 Sxb3! 16.axb3 b5 17.Sxc6 Lxc6 18.Th3 g6 19.Df3 Le8 20.Td2 b4 21.Se2 a5 22.Sc1 a4-/+ Cuartas-Liberzon, Biel 1980; 15.Dh5 mit zahlreichen Übergängen zu Varianten mit Dh5 im vierzehnten Zug.] 15...Lf8?! Schwarz reagiert nur und versucht sich in Prophylaxe in der Hoffnung, die weiße Attacke abwehren zu können. [15...Sxd4 16.Lxd4 Sxb3+ 17.axb3 Lc6 18.Lf6 b5 19.f5 b4 20.Lxe7 Dxe7 21.f6 Db7-+ 22.Th3 bxc3 23.Txh7 cxb2+ 24.Kxb2 Kxh7 25.Dh5+ Kg8 26.Td3 La4 27.Th3 Txc2+ 28.Ka3 Dxb3+ 29.Txb3 Lxb3 30.fxg7 Kxg7 31.Dh6+ Kg8 32.g6 fxg6 33.Dxg6+ Kh8 34.Dh6+ Kg8 35.Kxb3 Tac8 36.Dxe6+ Kh8 37.Df6+ Kg8 38.Dxd6 T2c6 39.Dd5+ Kf8 40.h4 Tb8+ 41.Ka3 Tbb6 remis, Illescas Cordoba-Garcia, Los Yebenes 1990; 15...b5 16.f5 (16.Kb1 b4 17.Sd5 exd5 18.Lxd5 Sxd4 19.Lxd4 Lc6 20.g6 hxg6 21.Txg6 Lxd5 22.Txg7+ Kf8 23.exd5 Sd7 24.Tdg1 Ke8 25.Te1 Sf8 26.f5 Td8 27.Lb6 1-0, Borocz-Hohler, Pecs 1997) 16...b4 (16...Sxd4 17.Lxd4 Sxb3+ 18.axb3 b4 19.Dh5 bxc3 20.bxc3 e5 21.Th3 Kf8 22.f6 Lxh3 23.Dxh7 Lxf6 24.gxf6 gxf6 25.Dxh3 exd4 26.Tf1 Dxc3 27.Dh8+ Ke7 28.Dxf6+ Kd7 29.Dxf7+ Kc6 30.Tf3 De1+ 31.Kb2 Kb6 32.Df5 Tc5 33.Dd7 Tc6 0-1, Konguvel-Blokhuis, Amsterdam 2000) 17.g6 fxg6 18.fxe6 Sxd4 19.Lxd4 Sxb3+ 20.axb3 Lxe6 21.Sd5 Lxd5 22.exd5 Lf6=/+ Van Benthem-Blokhuis, Hengelo 1997; 15...g6 16.f5 Se5 17.fxe6 (17.Kb1!? ; 17.f6!? ) 17...fxe6 18.Sf3 Sxb3+ 19.axb3 Tf8 20.Sxe5 dxe5= Denderski-Bogdanov, Bydgoszcz 2001] 16.f5 Se5?! Aber das ist nun definitiv zu viel der Passivität! [16...Sxd4 17.Lxd4 Sxb3+ 18.axb3 Der weiße Angriff sieht ebenfalls bedrohlich aus, aber möglicherweise ist dies besser für den Nachziehenden als die Partiefortsetzung.] 17.g6! Weiß sprengt den Verteidigungsriegel vor dem schwarzen Monarchen. 17...hxg6 18.fxe6 fxe6 19.Sf3 Sxb3+ 20.axb3 Sxf3 [20...Sc6 ist möglicherweise zäher. 21.Dg2 hält jedoch in Verbindung mit dem Druck auf den Punkt g6 sowie den Angriffsideen gegen den schwarzen König klaren weißen Vorteil fest.] 21.Dxf3 Le8 22.Dg4 Lf7? Das Klammern an den geringfügigen Materialvorteil kann sich Schwarz bereits nicht mehr erlauben. Man beachte das klägliche Läuferpaar des Nachziehenden, das - ausschließlich zur Deckung verdammt! - nun umgehend selbst zum Angriffsziel wird. Insgesamt mangelt es der schwarzen Armee an Koordination, von Gegenchancen ist nichts zu sehen. [22...b5 23.Tf3 Dd7 24.Tdf1 Le7 25.Lg5+/- ] 23.Tf1!+- Das ist bereits der Todesstoß. Dem weißen Druck auf der f-Linie kann Schwarz nichts mehr entgegensetzen! 23...Td8 [23...Da5 Sollte doch noch schwarzes Gegenspiel in Sicht sein? Nein, dieser Damenausfall ermöglicht dem Anziehenden ein herrliches Finale: 24.Txf7! Jetzt ist es sofort aus! Zahlreiche hübsche Varianten unterstreichen dies. 24...Kxf7 25.Tf3+ Ke7 26.Sd5+! Diesen Zug hatte ich in der Vorausberechnung gesehen und die Position als gewonnen abgeschätzt. 26...Kd7 (26...Kd8 27.Lb6+ ; 26...exd5 27.Lg5+ Ke8 28.De6+ Le7 29.Dxe7# ) 27.Tf7+ Kc6 (27...Le7 28.Dxe6+ Kc6 (28...Kxe6 29.Txe7# ) 29.Sxe7+ Kb5 30.c4+ Kb4 31.Ld2+ Kxb3 32.c5+ d5 33.Dxd5+ Ka4 34.Dc4+ Db4 35.Dxb4# ) 28.b4! Das gewinnt wohl am einfachsten. 28...Da1+ Ein letztes Racheschach. (28...Dd8 29.b5+ Kxb5 (29...axb5 30.Sb4# ) 30.De2+ Ka4 (30...Tc4 31.Dxc4+ Kxc4 32.b3+ Kb5 33.c4+ Kc6 (33...Ka5 34.Ld2# ) 34.Sb4# ) 31.c4 exd5 32.Dc2+ Ka5 33.Dc3+ Ka4 34.Da3# ) 29.Kd2 Tab8 (29...Dh1 30.Dxe6+- ; 29...exd5? 30.Dd7# ) 30.Dxe6+- Die weißen Figuren haben den schwarzen Monarchen umzingelt, es gibt kein Entkommen! Der Nachziehende ist vollständig paralysiert und kann sich nicht mehr rühren.] 24.Tgf3! Td7 25.Lg5! Das droht Schwerfigurenverdopplung auf der h-Linie. 25...Le7 26.Lxe7 Txe7 27.Dh4?! [27.Th3! war eine Spur genauer, weil es den Nachziehenden gar nicht mehr aus dem Schwitzkasten läßt. 27...Da5 (27...Tee8 28.Dh4 Kf8 29.Dh8+ Ke7 30.Dxg7+- ) 28.Dh4 Dh5 Was sonst? 29.Dxe7 Dxh3 30.Txf7+- macht auch keinen Spaß mehr.] 27...g5 Ein Ablenkungsopfer in bereits hochgradiger Zeitnot. Aber Weiß läßt nicht locker! 28.Dxg5 Tf8? [28...Td7 29.Tg1 Le8 30.Df6 Tf7 31.Dxe6+- , zum Beispiel 31...De7 32.Dxe7 Txe7 33.Sd5 Tf7 34.Txf7 Lxf7 35.Se7+ Kf8 36.Sf5 d5 37.exd5 Lxd5 38.Txg7 und der Anziehende pocht im Endspiel auf zwei gesunde Mehrbauern. Nach dem Partiezug kommt es allerdings noch schlimmer.] 29.Dh4 Der Rest ist Agonie. 29...Tee8 30.Th3 Lh5 31.Txf8+ Txf8 32.Dxh5 Tf1+ 33.Sd1 Dc6 34.Dh7+ Kf8 35.Dg6 Kg8 36.Dxe6+ 1-0



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